Nachdem die verregnete Sommerpause endlich ein Ende gefunden hatte, haben wir die sonnigen Tage sofort genutzt – zum Kraxeln, Durchatmen, Aufleben. Es zog uns zurück in die Berge. Dorthin, wo sich der Kopf leert, das Herz weitet und der Alltag keine Rolle mehr spielt. Endlich wieder Steine unter den Sohlen, Schweiß auf der Stirn und der Himmel ganz nah. Endlich wieder Gipfelglück. Dieses unbeschreibliche Gefühl, wenn der Wind über den Grat streicht und du einfach weißt: Genau hier gehörst du hin. Es war höchste Zeit. Die Füße längst unruhig, das Herz voller Sehnsucht – nach Stille, nach Weitblick, nach dem, was nur dort oben spürbar wird: Freiheit.
Ein paar Tage voller Glück – in den Bergen und dahoam. Vier Tage, die sich angefühlt haben wie ein kleines Stück Unendlichkeit. Zwischen rauem Fels und weichem Gras, zwischen Aufbruch und Ankommen. Drei intensive Bergtage, dazwischen ein Tag voller Ruhe im Garten. Und doch war alles eins – getragen von diesem stillen Glücksgefühl: Das Leben meint es gerade gut.
Der Wecker klingelte früh. Die Welt schlief noch und wir waren schon im Aufbruch. Voller Vorfreude. Die Rucksäcke gepackt, die Gedanken längst am Berg. Vor uns lagen bekannte Pfade und neue Abschnitte, vertrautes Gelände und frische Eindrücke. Ich nehme dich heute mit – auf zwei weitere Hochtouren und einen Klettersteig.
ℹ️ Die Torsäule ist eine sehr steile, etwa 500 Meter hohe Kalkstein-Formation an der Ostflanke des Hochkönigs. Der mächtige Felsturm ist eines der Wahrzeichen im Hochköniggebiet. Der Hochkönig (2941 m) ist der höchste Berg der Berchtesgadener Alpen im Salzburger Land
📍Tour: Torsäule über den Normalweg
⛰️ Gipfel: Torsäule 2588 m
⬆️⬇️ 1050 Höhenmeter
🍴Einkehr: Mitterfeldalm 1670 m
👣 Strecke: 12 km
⏱️ Gehzeit: 5 Stunden ohne Pausen
➡️ Wanderparkplatz am Arthurhaus (1500 m) in Mühlbach a. Hochkönig – via Mitterfeldalm – Aufstieg Richtung Hochkönig – Abzweig Torsäule – Aufstieg – Abstieg – Einkehr Mitterfeldalm (1670 m) – zurück zum Auto am Arthurhaus ⬅️
Über einen breiten Almweg steigen wir schräg an zur Mitterfeldalm. Der Morgen ist klar, die Luft frisch und mit jedem Schritt rückt das Ziel ein Stück näher. Weiter führt der Weg entlang der steilen, grauen Schuttfelder der Mandelwände ins Ochsenkar. Zwischen Latschen schlängelt sich der schmale Pfad gemächlich bis an den Fuß der Torsäule, die schon lange vor uns aufragt.
Bei einem großen Felsblock mit roter Aufschrift „Torsäule“ verlassen wir den Hochkönig-Hauptweg und wenden uns den Felsen zu. Ein schrofiges Band führt nordöstlich um den Hauptfels herum auf eine grasige Abflachung an der Ostflanke, von der es höher hinaufgeht. Durch eine Felsrinne erreichen wir eine leicht ausgesetzte Rampe. Im blockigen Gelände der Nordseite klettern wir in Richtung Gipfel und passieren dabei die Durchgangshöhle in der Südwand.
Nach einer letzten kurzen Kraxelei in einer Gipfelrinne stehen wir am Gipfelkreuz. Allein. Nur wir, der Himmel, der Fels – und dieses Glück, das ganz uns gehört.
Der Abstieg erfolgt wie der Aufstieg, vorsichtig und konzentriert – denn Sicherungsmöglichkeiten gibt es hier nicht. Zurück am Hochkönig-Hauptweg lassen wir den Blick noch einmal über die Wände schweifen, bevor wir gemütlich zur Mitterfeldalm absteigen. Dort sinken wir in die Bank, spüren die Sonne im Gesicht – und vor uns dampfen zwei üppige Portionen Kaiserschmarrn. Der perfekte Abschluss, bevor es weiter talwärts geht.
ℹ️ Der Panorama-Klettersteig Gitschenwand ist noch ganz neu – eröffnet erst 2021 am Trattberg. Über die mautpflichtige Trattbergstraße (PKW: 10 €) gelangt man von St. Koloman zum Parkplatz nahe der Enzianhütte. Die kurze Ferrata führt entlang einer markanten Felsformation und bietet immer wieder fantastische Ausblicke. Ideal, um sich auf ein kleines, aber feines Kletterabenteuer einzulassen.
📍Tour: Gitschenwand Panorama Klettersteig
⛰️ Gipfel: Gitschenwand 1527 m
🍴Einkehr: Enzianhütte 1475 m
⏱️ Gehzeit: 1 Stunde
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen von Erholung und dem Ausprobieren von etwas Neuem. Nach einem gemütlichen Kaffee und dem Versorgen der Tiere fuhren wir entspannt mit dem Cabrio Richtung Österreich. Die Sonne lachte bereits und wir freuten uns auf den Klettersteig, dessen Schwierigkeitsgrad uns Herzklopfen bescherte. Die Ferrata brachte uns ordentlich außer Puste. Manchmal braucht es nur ein wenig Nervenkitzel, um das Glück noch intensiver zu spüren.
Vom Parkplatz an der Enzianhütte starten wir auf der Straße Richtung Hintertrattberg und erreichen nach etwa 150 m eine Viehsperre. Am Wegweiser zum Seewaldsee geht es rechts abwärts, über einen steilen Wiesenhang in einer sanften Schleife hinein in den schattigen Wald. Kurz darauf führen uns die Pfade am Wandfuß der Gitschenwand entlang, bis wir den Einstieg des Klettersteigs entdecken – unmittelbar oberhalb des Weges und gut markiert durch eine Tafel.
Die kurze, aber knackige Ferrata windet sich entlang der markanten Felsformation. Schritt für Schritt klettern wir höher, bis wir schließlich den Ausstieg erreichen, eingebettet zwischen Latschen und Fichten. Dort wartet eine alte Holzbank – ein kleiner, stiller Moment der Ruhe, von dem aus wir den Blick schweifen lassen können, bevor sich der Pfad hinab Richtung Enzianhütte schlängelt und schließlich am Parkplatz mündet. Wer noch Lust und Kraft hat, kann links abzweigen und dem kurzen Weg zum Gipfelkreuz der Gitschenwand folgen.
Nach dem Abstieg legten wir unsere Kletterausrüstung am Auto ab und gönnten uns eine wohlverdiente Mittagspause in der Enzianhütte. Das Hüttenessen, wie immer ein kleiner Genuss für Gaumen und Herz, stärkte uns für die Heimfahrt. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg und wurden zu Hause schwanzwedelnd willkommen geheißen.
Jeder Schritt, jeder Griff, jede Pause trägt ein Stück dieser Tage in sich. Die Stille der Berge, das Knirschen unter den Sohlen, die Sonne, die alles wärmt – all das verwandelt einen einfachen Ausflug in ein kleines Abenteuer für Herz und Seele. Am Ende denkt man: Wie schnell die Zeit vergeht, wenn man zwischen Fels und Himmel unterwegs ist! Die Sonne im Gesicht, das Lachen im Gepäck, der Stolz bei jedem Gipfel – solche Momente sind wie kleine Schätze, die man mit nach Hause nimmt und noch lange in sich trägt.
Viel Freude mit der Bilderserie & danke für’s „Mitgehen“! ❤️
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Zauberhafte Fotos, wunderschöne Erzählungen und ein großes Kompliment an die 2 mutigen Bergsteiger!
Passt immer gut auf Euch auf…
Danke Herzblatt! ❤️
Ganz wunderbar!!!
Danke fürs Vorbeischauen und allerliebste Grüße! ❤️
In VIER Tagen DREI Touren – und was für Welche …
Das nötigt uns den allergrößten Respekt ab und macht uns aber auch ein „klein-wenig“ traurig, nämlich in dem Wissen, daß wir das alles nicht mehr schaffen können. Dafür aber erfreuen wir uns jedes Mal wieder über diese genialen Fotos, sehr schön, daß auch immer ein Bärchen mit dabei sein kann.
Herzlichen Dank! ❤️
Aber kein Grund traurig zu sein – Du hast nicht weniger schöne Bergerlebnisse im Gepäck und wir sammeln jetzt unsere. Daran lassen wir Euch immer gern teilhaben.